>>   a k t u e l l e s


 

 

<< zurück

Fußspuren

Andacht Februar / März 2005 

Zwei Fußabdrücke im Sand. Es sind die Abdrücke eines Menschen, der auf einem Weg kurz stehen bleibt, um sich zu orientieren - ein schönes Motiv für Menschen, die auf der Schwelle stehen. Vielleicht auch für solche, die auf dem Sprung sind, sich noch nicht entscheiden können, die sich darauf freuen, Neuland zu entdecken, es gestalten wollen. Und ich denke an Menschen, die stehen und innehalten, sich erinnern, sich Zeit nehmen.

Jeder Mensch möchte in seinem Leben gerne Fußspuren hinterlassen, möchte gestalten und prägen. Es ist ein gutes Gefühl, Neuland zu betreten, auf dem die eigene Spur deutlich zu verfolgen ist. Manche reizt es unwiderstehlich, in unberührtem Schnee die erste Spur zu legen. Andere gehen gerne am Meer entlang spazieren, wo sich die Fußspuren deutlich in den weichen Sand drücken.

Doch früher oder später kommen die Wellen und spülen darüber - Platz für neue Spuren. Der Zauber des noch Unberührten und das schnelle Vergehen wechseln einander ab. Leben ist spannend. 

Füße sind übrigens - wie die Fingerabdrücke - wie jeder Mensch - einmalig. Und Füße spielen auch in unsere Sprache eine große Rolle.

Menschen versuchen z.B., an einem neuen Ort Fuß zu fassen; Kinder strecken ihre Füße unter den Tisch der Eltern. Manche Väter oder Mütter wünschen sich, dass die Kinder in ihre Fußstapfen treten. Junge Leute müssen es erst einmal schaffen auf eigenen Füße zu stehen, sagt man.  Manche träumen allerdings davon, auf großem Fuße zu leben. Doch dabei lauert so manche Fußangel. Und: Es gibt Orte, dahin geht auch der Kaiser zu Fuß. So manches Projekt steht auf tönernen Füßen. Da wirft man dem anderen die Arbeit lieber vor die Füße; doch wenn es losgeht, sollte man Gewehr bei Fuß stehen. Dabei steht so mancher vom Fußvolk schon mit einem Fuß im Grab. Jemand hat heute noch keinen Fuß vor die Tür gesetzt. Aber das hindert ihn nicht daran, einem Mitmenschen auf die Füße zu treten. Andere liegen jemandem zu Füßen. Einige fallen immer auf die Füße. Manchmal bekommen sie allerdings kalte Füße.

Gefangene wurden früher an Händen und Füßen gebunden. Am Ende werden sie auf freien Fuß gesetzt; manche allerdings sträuben sich dagegen mit Händen und Füßen.

 

Füße sind wichtig - sie bringen uns weiter, zurück oder bleiben stehen.

Vielleicht hat Jesus auch darum seinen Jüngern die Füße gewaschen - als Zeichen dafür, dass er unsere Schritte begleitet - überall hin - auch in die Schweineställe - wie beim verlorenen Sohn - und in die tiefsten Abgründe des Lebens.

Der Vater dieses verlorenen Sohnes, dass ist Gott. Unser Gott. Unser Vater. Er stellt unsere Füße auf weiten Raum - aber er lässt uns nie allein. Das sollen wir wissen! Das ist das Wesentliche.

In einem Lied heißt es:

 

Du stellst meine Füße auf weiten  Raum, Deine Liebe weitet meinen Horizont. Kann mich frei entfalten wie ein schöner Baum,

der in deinem Lichte wächst, gedeiht, sich sonnt.

 

Aus der Enge in die Weite, einst Bedrängte, nun Befreite, von der Lüge hin zur Wahrheit, aus dem Trüben hin zur Klarheit, 

aus dem Lärmen in die Stille, aus der Leere in die Fülle,

 Gott, so kommen wir hier und jetzt zu dir.

 

Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum. Seine Liebe möge unseren Horizont weiten. Dass wir uns frei entfalten können, wie ein schöner Baum, der in Gottes Licht wächst, gedeiht, sich sonnt.

 

 


.

 

        

 



sitemap  kontakt