>>   a k t u e l l e s


 

 

<< zurück

Landesbischöfin Keßmann zu Besuch in Steenfelde

Thema:Notfallseelsorge

 

 Auf dem herbstlich geschmückten Tisch im Steenfelder Gemeindehaus lagen  neben jedem  Gedeck drei Jonglierbälle mit dem Aufdruck „Notfallseelsorge“. Wollte Pastor Claus Dreier, der Hausherr, die akrobatischen Fähigkeiten von Dr. Margot Käßmann testen? Die  Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers war am Donnerstag zu Gast im Kirchenkreis Rhauderfehn. Eine der sieben Stationen ihres Besuches: das Gemeindehaus in Steenfelde, wo sich  neun Vertreter der heimischen Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks, des Deutschen Roten Kreuzes, der Rettungsleitstelle  und der Polizei eingefunden hatten.

Die Jonglierbälle waren für Pastor Claus Dreier  ein ausdruckskräftiges Bild, um den Gast aus Hannover vor Augen zu führen, wie viele Anforderungen Helfer bei Notfällen zu bewältigen haben. „Durch die Notfallseelsorge nehmen wir ihnen – symbolisch gesprochen - einen Ball ab. Wir kümmern uns um die psychische Betreuung von Opfern oder deren Angehörigen. Wir leisten Unterstützung bei der Überbringung von Todesnachrichten. Und schließlich versuchen wir auch die Einsatzkräfte selbst zu begleiten, wenn sie die Erlebnisse und Bilder am Unglücksort nicht verarbeiten können“, sagt der Geistliche. Die Idee zu der Notfallseelsorge entstand vor neun Jahren.  Wiederholt hatten Einsatzkräfte vergebens versucht, nach einem schweren Unfall Geistliche zu verständigen. Claus Dreier und Wilhelm Helmers, der damalige Pastor von Ostrhauderfehn, haben das Angebot aus der Taufe gehoben und unter Einbindung aller Geistlichen der  evangelisch-lutherischen Kirchenkreisen  Leer und Rhauderfehn organisiert. Damals war es das erste Projekt dieser Art in Ostfriesland.

„Bei uns in der Feuerwehr stößt die Notfallseelsorge auf eine unwahrscheinlich gute Resonanz“, strich der Kreisbrandmeister Volkmar Helmers heraus. Anfangs sei das nicht durchgängig so gewesen, aber mittlerweile schon. Dr. Margot Käßmann ließ in das Gespräch einfließen, dass es vor vier Monaten nach langen Kämpfen gelungen sei, einen hauptamtlichen Notfallseelsorger bei der Landeskirche zu beschäftigen. „Für uns ist es ganz wichtig, dass die Notfallseelsorge überkonfessionell arbeitet“, sagte Manfred Willms, Leiter des Polizeikommissariats in Rhauderfehn. Früher habe man oft erst mühevoll die Religionszugehörigkeit des Opfers in Erfahrung bringen müssen. Das entfalle jetzt.

Ob es auch Erfahrungen mit muslimischen Familien gebe, wollte die Landesbischöfin wissen. Davon konnte Pastor Claus Dreier nicht berichten. Kontrovers diskutiert wurde die Frage nach der öffentlichen Wahrnehmung der Notfallseelsorge. Superintendent Gerd Bohlen sprach davon, dass die Medienvertreter diese Arbeit mit zunehmendem Interesse verfolgten. In der Berichterstattung über Katrostrophen lese man jetzt verstärkt, dass Psychologen und Seelsorger am Unfallort seien.

Die Landesbischöfin nahm die abschließende Bitte eines THW-Mitarbeiters, den Notfallseelsorgern den Rücken freizuhalten, mit nach Hannover. Vielleicht als kleine Erinnerungsstütze an das  Gespräch packte sie auch die drei Jonglierbälle in ihre Tasche.


Gabriele Boschbach

 

.

 

        

 



sitemap  kontakt