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Liebe Leserinnen und Leser,

 

zwei ganz unterschiedliche Menschen, ein Blinder und ein Lahmer, wurden von einem Waldbrand überrascht. Die beiden gerieten in Angst. Der Blinde wollte dem Feuer entfliehen, aber er rannte gerade aufs Feuer zu.

Der Lahme, der das beobachtete, rief ihm zu: "Flieh nicht dorthin!" "Aber

wohin soll ich mich wenden?" fragte der Blinde daraufhin - und er Lahme

sagte: "Ich könnte dir den Weg vorwärts zeigen, so weit du wolltest; weil ich aber lahm bin, nimm mich auf deine Schultern, damit ich dir den Weg angeben kann."

 

Gern nahm der Blinde das Angebot an und so entkamen beide der Gefahr.

Mir kommt es oft so vor, als ob diejenigen, von denen man glaubt, sie wüssten und könnten alles, irgendetwas ganz Wichtiges übersehen - und die, von denen man annimmt, sie könnten nicht bis drei zählen, haben den Schlüssel für den Weg ins Freie in der Hand.

Da kann einer rennen, wie der Vogel Strauss, aber er ist so blind, als ob er noch beim Rennen den Kopf in den Sand steckt. Ein anderer weiß genau, wo es lang gehen muss, aber es ist, als ob er festklebt, so unbeweglich ist er.

Erst, wenn sie sich gegenseitig annehmen mit ihren Schwächen, kommt es zur Bewegung in die richtige Richtung. Unsere Lebenssituation gleicht schon mal einem Waldbrand: es stinkt und viele sind wie benebelt. Man sieht keine Sonne mehr und die Zukunft scheint versperrt, was viele mit heißen Köpfen in die falsche Richtung rennen lässt. Dass sich dabei mancher die Finger verbrennt, ist unausweichlich.

Nicht immer hat ein Blinder das Glück, einem Lahmen zu begegnen, wie in unserer Geschichte. Darum hat sich Gott nicht nur über alle Menschen erbarmt, sondern zunächst über jeden einzelnen, wer und wie er oder sie auch sei.

Christus hat Blinde geheilt, die Unfähigkeit z.B. zu sehen, hat er geheilt, damit sich die Einsicht durchsetzt, dass es nicht auf Besitz, auf Reichtum und äußerliche Dinge ankommt, sondern darauf, dass wir lieben und geliebt werden, dass wir gute Nachbarn und Freunde haben, dass wir gewillt sind, einander zu helfen, Freunden wie Fremden, dass wir uns selbst lieben, wie wir sind und wie wir werden können, dass wir einander annehmen, wie Gott uns angenommen hat.

Christus hat Gelähmte geheilt, die Bewegungslosigkeit verwechseln mit Traditionsbewusstsein. Er hat die Möglichkeit geschenkt, Not, Trauer und Leid, die einen Menschen lahmen, zu überwinden.

Christus hat geheilt, weil er uns angenommen hat, weil er uns liebt, weil er uns kennt, unsere Uneinigkeit, unser Gegeneinander, die Verletzungen, die wir uns gegenseitig zufügen, unsere Härte, mit der wir unsere Sache verteidigen, unsere Ungeduld mit anderen, unsere Überheblichkeit; weil ihm all dies nicht verborgen geblieben ist, will er auch uns heilen, uns, die wir nicht bei Trost sind.

Der Gott des Trostes gebe uns, dass wir es mit seiner Hilfe schaffen, einträchtig gesinnt zu sein untereinander, Christus Jesus gemäss. Das ist mein Weihnachtswunsch.

Wie heißt es noch im Lied: Wie soll ich dich empfangen?: "Seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier."

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